In den letzten Jahren hat sich die Debatte um das Glücksspielverhalten in Österreich besonders an der DDEAT-Studie (Daten- und Dokumentationsstelle Glücksspiel) entzündet. Die Datenbank, die seit 2009 vom Land Salzburg betrieben wird, sammelt und analysiert anonymisierte Informationen zu Spielverhalten, Suchtpotenzial und finanziellen Verlusten. Doch was genau steckt hinter dieser zentralen Quelle für Glücksspielforschung – und wie wirken sich die Erkenntnisse auf die öffentliche Diskussion aus?
Die DDEAT ist kein reines Statistikwerk, sondern ein zentraler Baustein der österreichischen Glücksspielpolitik. Sie basiert auf freiwilligen Meldungen von Spielhallen, Online-Anbietern und Glücksspielautomaten, die Spielverhalten von Kunden erfassen. Besonders interessant ist dabei die Differenzierung nach Altersgruppen und Spielarten: Während die meisten Betroffenen mit Spielautomaten (Slot Machines) in Verbindung gebracht werden, zeigt die Studie, dass auch Tischspiele wie Roulette oder Blackjack ein hohes Suchtpotenzial bergen – besonders bei jüngeren Spielern. Laut aktuellen Zahlen (Stand 2023) liegt der Anteil der Spieler unter 30 Jahren bei Spielautomaten bei über 40 %, während bei Tischspielen dieser Wert bei rund 25 % bleibt. Das deutet auf ein systematisches Missverständnis hin: Die meisten Glücksspielsucht-Forscher fokussieren sich auf die vermeintlich “gefährlichsten” Automaten – dabei sind es oft die klassischen Tischspiele, die durch ihre psychologische Verführungskraft (z. B. durch schnelle Auszahlungen bei Roulette) besonders problematisch sind.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage, wie anonymisiert die Daten tatsächlich sind. Kritiker werfen vor, dass die Meldungen von Spielhallen nicht immer vollständig und fehlerfrei sind. Die DDEAT selbst betont jedoch, dass die Daten durch eine mehrstufige Überprüfung und Validierung gesichert werden. Besonders problematisch ist dabei die fehlende direkte Verbindung zu individuellen Spielern: Ohne persönliche Identifizierung lassen sich keine Rückschlüsse auf das tatsächliche Suchtverhalten ziehen. Dennoch ermöglichen die aggregierten Daten wertvolle Trends – etwa die steigende Zahl an Spielern, die mehr als 500 Euro pro Monat verlieren. Seit 2015 hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt, während die Anzahl der Spielhallen in Österreich gleichzeitig um rund 15 % reduziert wurde. Dies spricht für eine gewisse Anpassung der Anbieter an die regulatorischen Vorgaben, ohne dass die Suchtgefahr tatsächlich gemindert wurde.
Die DDEAT zeigt auch, wie komplex die Beziehung zwischen Glücksspiel und Jugend ist. Während die meisten Studien auf die Automaten in Jugendclubs fokussieren, offenbart die Analyse, dass es vor allem die “versteckten” Spielszenen sind, die problematisch sind: In Bars und Diskotheken, wo Tischspiele wie Poker oder Blackjack angeboten werden, spielen junge Erwachsene oft ohne Bewusstsein für das Risiko. Laut einer Studie der DDEAT (2022) liegt der Anteil der Spieler unter 25 Jahren bei Tischspielen bei über 30 %, während die meisten Glücksspielsucht-Beratungsstellen diese Gruppe kaum abdecken. Dies wirft die Frage auf, ob die aktuellen Präventionsmaßnahmen gezielter gestaltet werden müssen – etwa durch gezielte Aufklärung in Schulen oder durch strengere Regulierung von Tischspielen in öffentlichen Räumen.
Ein weiterer spannender Aspekt der DDEAT-Daten ist die regionale Verteilung. Während die meisten Glücksspielhallen in Ballungsräumen wie Wien oder Salzburg konzentriert sind, zeigt die Analyse, dass es in ländlichen Regionen wie dem Schwarzwald oder der Steiermark ein besonders hohes Suchtpotenzial gibt. Besonders auffällig ist der hohe Anteil an Spielern über 50 Jahren, die in ländlichen Regionen mit Spielautomaten in Spielhallen spielen. Dies könnte auf eine Kombination aus sozialer Isolation und dem Wunsch nach Unterhaltung hinweisen. www.crashinocasino.at/ddeat/ bietet hier eine detaillierte Übersicht über die regionalen Unterschiede, die bisher kaum beachtet wurden.
Die Debatte um die DDEAT ist damit auch eine Frage der politischen Prioritäten. Während einige Politiker auf strengere Regulierung von Glücksspiel setzen, fordern andere eine stärkere Fokussierung auf Prävention und Aufklärung. Die Daten der DDEAT zeigen jedoch, dass beide Ansätze notwendig sind: Ohne strengere Regulierung (z. B. durch höhere Spielgrenzen oder weniger Spielautomaten) wird sich das Suchtpotenzial nicht reduzieren lassen. Gleichzeitig müssen Präventionsmaßnahmen gezielter gestaltet werden, um besonders gefährdete Gruppen wie junge Spieler oder Menschen in ländlichen Regionen zu erreichen. Die DDEAT ist dabei nicht nur eine Datenbank, sondern ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige Glücksspielpolitik in Österreich.
- Seit 2015 hat sich der Anteil der Spieler mit Verlusten über 500 € pro Monat mehr als verdoppelt.
- Tischspiele wie Roulette oder Blackjack bergen ein höheres Suchtpotenzial als viele Automaten – besonders bei jüngeren Spielern.
- Der Anteil der Spieler unter 30 Jahren bei Spielautomaten liegt bei über 40 %, bei Tischspielen bei rund 25 %.
- In ländlichen Regionen wie dem Schwarzwald oder der Steiermark ist das Suchtpotenzial bei Spielautomaten besonders hoch.
- Die meisten Glücksspielsucht-Beratungsstellen decken die Gruppe der Spieler unter 25 Jahren kaum ab.